Lebensversicherung: Reduktion des garantierten Zinssatzes 2011 zu erwarten!

Die klassischen Er- und Ablebensversicherungen/Rentenversicherungen mit Zinsgarantie erleben aller Wahrscheinlichkeit nach einen „Zins-Dämpfer“: Der garantierte Rechnungszins wird voraussichtlich 2011 auf 2% abgesenkt werden müssen.

„Wir werden im November eine Novelle zur Begutachtung aussenden. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Prozent herauskommen werden, ist groß“, sagt FMA-Sprecher Klaus Grubelnik.

Was ist der Garantiezinssatz (auch Rechnungszinssatz oder „Höchstzinssatz“)?

Lebensversicherungen/Rentenversicherungen sind langfristige Anlageformen. Laufzeiten von dreißig Jahren und mehr sind keine Seltenheit. Beispielsweise schließt eine 40jährige Frau eine Rentenversicherung ab, spart 25 Jahre an und genießt dann weitere 30 Jahre ihre Pension, womit eine Gesamtlaufzeit von 55 Jahren gegeben ist.

Für die gesamte Laufzeit ist aber bei einer Rentenversicherung der Rechnungszinssatz ebenso garantiert (= Garantiezinssatz) wie die Anwendung der heute gültigen Sterbetafeln (=Lebenserwartung). Nachdem über einen derartig langen Zeitraum keine gesicherten Aussagen über die wirtschaftliche Entwicklung gegeben werden können, legt die Finanzmarktaufsicht in der Höchstzinssatzverordnung zum Schutz der Versicherten aber auch der Versicherungsunternehmen, welche die Garantien ja einhalten müssen, einen höchstmöglichen Garantiezinssatz (=Höchstzinssatz) fest, der nicht überschritten werden darf.

Bei der Festlegung des höchstmöglichen Garantiezinses orientiert sich die FMA an der Sekundärmarktrendite (SMR) der jeweils letzten zehn Jahre, vermindert um einen Sicherheitsabschlag von 40 Prozent. Durch das seit längerer Zeit bestehende niedrige Zinsniveau sieht die FMA den Bedarf, den höchstmöglichen Garantiezinssatz für Neuabschlüsse ab 2011 zu senken.

Derzeit liegt der Garantiezinssatz bei 2,25 Prozent – bei älteren Verträgen kann er auch bis zu 4% betragen.

Der Rechnungszinssatz ist somit ein Basiszinssatz, der für die gesamte Laufzeit einer Lebensversicherung/Rentenversicherung gilt. Er wird für Neuabschlüsse immer wieder angepasst, um eine konservative und nicht auf Spekulation ausgerichtete Veranlagung der Kundengelder zu ermöglichen.

Die Auswirkungen der Senkung des Garantiezinssatzes

Für die Versicherungsnehmer könnte die Senkung des Garantiesatzes unter Umständen gar keine Änderung bedeuten, wie seitens der Versicherungswirtschaft oft betont wird. Wie kommt es zu dieser Aussage?

Neben der garantierten Leistung steht dem Versicherungsnehmer auch eine Gewinnbeteiligung zu, da der Versicherer mit den Gelder der Kunden in der Vergangenheit idR immer mehr Ertrag erwirtschaftet hat als den Garantiezinssatz.

Wenn der Versicherer beispielsweise für das Jahr 2010 eine Gesamtbewinnbeteiligung von 4% ausweist, dann bekommt der Versicherungsnehmer neben der Garantie von 2,25% noch eine Gewinnbeteiligung von 1,75% gutgeschrieben. Hätte er eine Garantie von 2%, dann würde die Gewinnbeteiligung 2% ausmachen, sodaß bei beiden Varianten das Gesamtergebnis wieder 4% beträgt und somit tatsächlich kein Unterschied gegeben ist.

Dass es aber Situationen gibt, in denen ein höherer Rechnungszins sehr wohl von Vorteil sein kann, sieht man bereits an älteren Verträgen, die noch einen Garantiezinssatz von 4% aufweisen. Bei einem Teil der großen Versicherer in Österreich liegt die Gesamtgewinnbeteiligung bereits unter 4%. In diesem Fällen ist die Garantie höher als der Gesamtertrag und der Kunde profitiert deutlich von seiner „alten“ Garantie.

Bei einem weiteren Absinken der Ertragsmöglichkeiten am Kapitalmarkt könnte auch die heutige lebenslange Garantie von 2,25% zu einem wichtigen Asset werden. Ebenso wie die Tatsache, dass einmal zugewiesene Gewinnanteile nicht mehr verfallen können und somit eine quasi Höchststandsgarantie gegeben ist.

Auch wenn man plant, in Zukunft aus seiner Versicherung eine lebenslange Rente zu beziehen, hat der garantierte Rechnungszins ein wesentliche Bedeutung. Da dieser auch über die gesamte Pensionsphase gilt, bekommt man mit einem höheren garantierten Rechnungszins auch eine höhere garantierte Ausgangspension.

Somit macht es für Unternehmen oder Personen, die gerade den Abschluss einer Rentenversicherung planen, sehr wohl Sinn, dies noch rechtzeitig vor der Senkung des garantierten Rechnungszinses zu tun!

Unsere Empfehlung

Wenn zur Steueroptimierung und/oder generellen Altersvorsorge Ihrer Klienten noch im aktuellen Bilanz-/Wirtschaftsjahr die Implementierung eines Modelles der Betrieblichen Altersovorsorge geplant ist, dann ist die Sicherung des derzeitigen Garantiezinssatz durch den Abschluss einer Rückdeckungsversicherung bis zum 31.12.2010 absolut empfehlenswert. Wir raten Ihnen und Ihren Klienten jedoch dazu, sich durch die geplante Änderung des Rechnungszinssatzes nicht unter Zugzwang setzen zu lassen und, gemäß unserer Philosophie, nur bei wirtschaftlicher und unternehmensbezogener Sinnhaftigkeit die Umsetzung durchzuführen und eine genaue Überprüfung von Kosten und Sonderkonditionen zu veranlassen. Hierzu finden Sie nähere Informationen in unserem Newsletter zu den teilweise (unnötig hohen) Kosten von Versicherungsprodukten.