Der Umgang mit fällig werdenden Pensionsansprüchen aus direkten Leistungszusagen

Erreicht ein Begünstigter aus einer direkten Leistungszusage das Anspruchsalter für die Alterspension, ist es notwendig, sich rechtzeitig Gedanken über mögliche Handlungsalternativen zu machen.

Grundsätzlich stehen die Optionen offen, die Pension in Rentenform zu beziehen oder mit dem Arbeitgeber eine Vereinbarung über eine einmalige Abfindung zu treffen mit der alle Rechte und Pflichten aus der Pensionszusage erlöschen. Fällt die Entscheidung für eine lebenslange Rente, so bestehen noch die Alternativen, ob die Pension durch den Arbeitgeber geleistet oder an einen externen Versorgungsträger (Pensionskasse oder betriebliche Kollektivversicherung) ausgelagert wird. Leistet der Arbeitgeber die Pension, kann er sich noch entscheiden, ob er das Langlebigkeitsrisiko durch eine Rückdeckungsversicherung abfedern möchte.

Somit ist es wesentlich, sich rechtzeitig mit den wichtigsten Aspekten der einzelnen Alternativen auseinander zu setzen, sodass zum Pensionszeitpunkt eine Lösung gefunden werden kann, die den Interessen beider Vertragspartner möglichst nahe kommt. Eine solche Entscheidung kann jedoch nur dann vernünftig getroffen werden, wenn den Vertragspartnern die Vor- und Nachteile jeder einzelnen Variante bekannt sind. Die folgende Aufstellung soll hierzu stichwortartig die ersten Anregungen bieten:

 

1.1.    Kapitalabfindung

Pro: Kapital zur freien Verfügung; Flexibilität in der Veranlagung; Unabhängigkeit des Begünstigten vom Fortbestand des Unternehmens; keine unkalkulierbare Verpflichtung mehr für das Unternehmen; kein administrativer Aufwand

Contra: voller Steuersatz; Zufluss im Monat der Auszahlung; keine lebenslange Zusatzversorgung; richtige Veranlagungsentscheidung muss getroffen werden;

Steuer: Auflösung der Pensionsrückstellungen gewinnerhöhend, Auszahlung der Kapitalabfindung als Betriebsausgabe; sofortiger Zufluss beim Begünstigten

 

2.    Rentenzahlung

2.1.              Monatliche Rente von Firma

2.1.1.  Versicherung zahlt angespartes Kapital an Firma, diese zahlt monatliche Rente

In dieser Variante wird eine eventuell bestehende Rückdeckungsversicherung zum Pensionsantritt zur Gänze an das Unternehmen ausbezahlt bzw befinden sich die zur Rückdeckung angeschafften Wertpapiere weiterhin im Besitz des Unternehmens. Daraus leistet das Unternehmen die monatlichen Rentenzahlungen an den Begünstigten.

Pro: Flexibilität in Veranlagung und jederzeitige Zugriffsmöglichkeiten zu Kapital für das Unternehmen; Liquidität auch für Kapitalabfindung während Rentenphase vorhanden; lebenslange Versorgung sofern Firma weiterbesteht; bei vorzeitigem Todesfall bleibt Liquidität im Unternehmen;

Contra: Abhängigkeit vom wirtschaftlichen Fortbestand des Unternehmens; Gefahr dass Geld im Unternehmen pensionsschädlich verwendet wird; Firma schleppt Verpflichtung auf ungewisse Zeit bilanziell mit; bei langer Lebensdauer kann Kapital vorzeitig aufgebraucht sein;

Steuer: schrittweiser Abbau der Pensionsrückstellung, Rentenzahlung als Betriebsausgabe; Begünstigter versteuert monatliche Rente mit sonstigen Einkünften, keine Sozialversicherungspflicht, begünstigte 13./14. Pension bei Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit;

 

2.1.2.  Versicherung zahlt lebenslang monatlich Rente an die Firma, diese gibt sie an GF weiter

In dieser Variante besteht zur Ansparung bereits seit längerer Zeit eine Rückdeckungsversicherung oder es wird eine solche bei Pensionsantritt mittels Einmalerlag neu abgeschlossen. Die Versicherung zahlt dann Monat für Monat eine lebenslange Rente an das Unternehmen, dieses zahlt damit die Pension für den Begünstigten.

Pro: Sicherung einer lebenslangen Rente für Begünstigten und Hinterbliebene möglich; Garantie des Rechnungszinses und der bei Abschluss gültigen Sterbetafeln möglich; Kapitalrückgewähr bei vorzeitigem Todesfall möglich; keine pensionsschädliche Verwendung des Kapitals durch Unternehmen möglich; Flexibilität durch große Produktpalette bei Rückdeckungsversicherungen;

Contra: weiter Rückstellungsbildung in Bilanz solange begünstigte Personen leben; eventuelle Probleme bei Liquidierung des Unternehmens; in Praxis vielfach falsche Gestaltung der Rückdeckungsversicherung (ohne Kapitalzugriffsmöglichkeiten nach erster Rentenzahlung);

Steuer: schrittweiser Abbau der Pensionsrückstellung, Rentenzahlung als Betriebsausgabe, schrittweise Reduktion der Aktivierung der Rückdeckungsversicherung; Begünstigter versteuert monatliche Rente mit sonstigen Einkünften, keine Sozialversicherungspflicht, begünstigte 13./14. Pension bei Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit;

 

2.2.              Monatliche Rente von externer Kasse

2.2.1. Verpflichtung aus Pensionszusage wird auf Pensionskasse/betriebliche Kollektivversicherung übertragen

Pro: lebenslange Rente für Begünstigte und Hinterbliebene; Rentenzahlung durch externen Versorgungsträger; Unabhängigkeit von weiteren Schicksal das Unternehmens; keine administrative Belastung für Unternehmen; Garantierter Rechnungszinssatz und Garantie der bei Abschluss gültigen Sterbetafeln möglich;

Contra: geringere Flexibilität; keine Möglichkeit eines Kapitalzugriffes mehr ab Zeitpunkt der Übertragung, keine Abfindungsmöglichkeit der Pension mehr; bei frühem Ableben beider Begünstigter kommt Kapital der Versichertengemeinschaft zugute;

Steuer: Auflösung der Pensionsrückstellung, Überweisung Übertragungsbetrag an externe Kasse in Höhe der aufgelösten Rückstellung als Betriebsausgabe, übersteigender Teil auf 10 Jahre zu verteilen; Begünstigter versteuert monatliche Rente mit sonstigen Einkünften, keine Sozialversicherungspflicht, begünstigte 13./14. Pension bei Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit;

 

Die Entscheidung für eine der Varianten ist in der Regel einvernehmlich zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu treffen, sofern in der Pensionszusage nichts anderes geregelt ist und wird von einer Vielzahl von Faktoren abhängig sein.

Seitens des Begünstigten werden sein Gesundheitszustand, seine familiäre Situation, sein kurz und mittelfristiger Kapitalbedarf, sein Vertrauen in den langfristigen Weiterbestand und wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens, das Vertrauen in die Kapitalmärkte und steuerliche Effekte eine wesentliche Rolle spielen, seitens des Arbeitgebers die aktuelle Liquiditätssituation, steuer- und unternehmensrechtliche Auswirkungen, die Einschätzung der Entwicklung der Kapitalmärkte und die Ungewissheit der Dauer der Belastung (Lebenserwartung).

Für weitere Fragen und zur detaillierten vertraglichen, steuer- und arbeitsrechtlichen Umsetzung der einzelnen Varianten stehen wir gerne zur Verfügung.