Für Beginn 2015 ist mit einer Senkung des Garantiezinssatzes bei Lebensversicherungen zu rechnen – was steckt dahinter?

Bei der klassischen Renten- oder Kapitalversicherung fließen die Sparprämien der Kunden, abzüglich Versicherungssteuer und Kosten, in den sogenannten Deckungsstock. In diesem erfolgt eine sehr risikoarme, breit gestreute und auf Werterhalt ausgerichtete Veranlagung der Kundengelder.

Dabei garantiert der Versicherer eine bestimmte Mindestverzinsung, die für die gesamte Laufzeit der Versicherung, bei Rentenversicherungen somit lebenslang (!) gilt und für aktuelle Neuabschlüsse 1,75% beträgt.

Da in der Praxis am Kapitalmarkt durchaus höhere Erträge als der Garantiezins erwirtschaftet werden, kann der Versicherer zusätzlich zum Garantiezins eine Gewinnbeteiligung finanzieren. Die tatsächliche Versicherungsleistung ergibt sich somit aus der Summe aus Garantiezins und Gewinnbeteiligung. Die aktuelle Gewinnbeteiligung liegt am österreichischen Markt zwischen 1,25% und 1,65%, gesamt somit zwischen 3% und 3,4%.

Die maximale Höhe der lebenslang garantierten Mindestverzinsung wird von der FMA vorgegeben. Diese folgt dabei einer Richtlinie, dass die Garantie nicht höher sein darf, als 60% des Zinssatzes von Anleihen der Republik Österreich in einem mehrjährigen Beobachtungszeitraum.

Die Sekundärmarktrendite (SMR) ist im Jahr 2013 stark gesunken. Im Vergleich zum Jahr 2012 mit 1,49% beträgt die SMR für das Jahr 2013 nur 1,06%. Im 10-jährigen Durchschnitt vom Jahr 2004 bis zum Jahr 2013 beträgt die SMR 2,93%. 60% davon sind somit gerade noch 1,758%.

Nachdem auch für 2014 von einer recht geringen SMR ausgegangen werden kann und von einer weiteren Verringerung des 10-jährigen Durchschnittes, kann man ab 2015 mit einer Reduktion der Garantieverzinsung für Neuabschlüsse auf 1,5% rechnen.

Solange die Versicherungen deutlich höhere Erträge als den Garantiezins erwirtschaften, hat eine solche Reduktion für die Kapitalbildung keine Auswirkung, da die Gewinnbeteiligung immer eine ausgleichende Wirkung hat.

Gewährt beispielsweise der Versicherer in einem Jahr eine Gesamtgewinnbeteiligung von 3,25%, so erhalten Verträge mit einem Garantiezins von 1,75% eine Gewinnbeteiligung von 1,5%, Verträge mit einem Garantiezins von 1,5% eine Gewinnbeteiligung von 1,75%.

Spürbar wird der Garantiezins jedoch in Zeiten, in denen die Gesamtausschüttung unter dem Garantiezins liegt. So sind beispielsweise Verträge aus den 90er Jahren teilweise mit einem Garantiezinssatz von 4% ausgestattet und die 4% müssen diesen Verträgen auch zugewiesen werden, obwohl alle anderen Verträge mit einem geringeren Garantiezins aktuell beispielsweise nur 3,25% zugewiesen bekommen.

Die Systematik des Garantiezinssatzes gewinnt vor allem in Zeiten turbulenter Kapitalmärkte an Bedeutung. Die Tatsache, dass Garantiezins und alle bereits zugewiesenen Gewinne nicht verfallen können, bewirkt eine sogenannte „Höchststandsgarantie“ und somit einen kontinuierlichen, risikoarmen Kapitalaufbau.

Wer sowieso mit dem Gedanken spielt, eine Rentenversicherung im betrieblichen oder privaten Bereich umzusetzen, sollte dies besser noch im Jahr 2014 tun, als auf 2015 zu warten!