Senkung des Garantiezinssatzes bei Rentenversicherungen ab Ende 2015

Bei klassischen Lebensversicherungen ist bei Neuabschlüssen ab Ende 2015 mit einer Reduktion des lebenslangen Garantiezinssatzes von derzeit 1,5% auf 1% oder darunter zu rechnen. Die Gesamtgewinnbeteiligung liegt bei den österreichischen Versicherern aktuell im Schnitt aber noch über 3% pa. Wer eine Pensionszusage etablieren möchte oder die Ansprüche aus direkten Leistungszusagen an eine betriebliche Kollektivversicherung auslagern möchte, sollte noch heuer aktiv werden.
Was steckt dahinter, was bringt eine Garantie von Rechnungszins und Sterbetafeln überhaupt und wie können wir zu einer spürbaren Verbesserung beitragen?
Eine klassische Rentenversicherung bietet eine Garantie der bei Abschluss gültigen Sterbetafeln und eine lebenslange jährliche Mindestverzinsung.

Garantierter Zinssatz und Gesamtgewinnbeteiligung

Um zu verhindern, dass sich die Versicherungen durch langfristig zu hohe Garantien selbst gefährden, schreibt die FMA einen Zinssatz vor, den Versicherer bei Neuabschlüssen höchstens garantieren dürfen. Dieser Höchstzins orientiert sich an jenem Zinssatz, der in den letzten Jahren durchschnittlich mit österreichischen Staatsanleihen zu erreichen war. 60% davon darf die maximale lebenslange Garantiehöhe betragen. Nachdem die Zinssätze von Staatsanleihen aktuell eine 0 vor dem Komma stehen haben, ist der Durchschnitt natürlich im Sinken und somit wird auch der maximale Garantiezinssatz, den die Versicherer anbieten dürfen ab 2016 bei 1% oder sogar darunter liegen.
Dabei ist zu beachten, dass dieser Zinssatz auf jenes Kapital gewährt wird, das tatsächlich zur Veranlagung kommt. Versicherungssteuer und Kosten werden vorher noch abgezogen, was die Rendite des Vertrages schmälert. Somit führt die Garantieverzinsung in der Ansparphase in etwa dazu, einen Kapitalerhalt zu garantieren. Nachdem der Versicherer mit den Spargeldern der Kunden aber in den letzten 30 Jahren immer mehr erwirtschaftet hat als den Garantiezins, gibt es idR auch zusätzlich eine Gewinnbeteiligung. Insgesamt führt diese aktuell am österreichischen Markt zu einer Verzinsung von 3 bis 3,25%, je nach Anbieter.
Diese Größenordnung gewinnt langfristig an Wert, da man sich hier im klassischen Deckungsstock mit einer breiten Veranlagung in Aktien, Anleihen, Darlehen und Immobilien, in verschiedenen Ländern, Branchen und Währungen befindet, der in sich schon eine große Sicherheit bietet. Zusätzlich garantiert der Versicherer noch eine Mindestverzinsung. Nicht übersehen werden darf auch, dass bereits zugewiesene Gewinne nicht verfallen können und somit eine Höchststandsgarantie vorliegt. Vor allem wenn man zugleich einen Blick auf zu erzielende Zinsen auf Sparbüchern oder mit Staatsanleihen wirft.
Höhere Verzinsungen können idR nur mit deutlich höherem Risiko erreicht werden und nur allzu schnell sind jene Krisenjahre vergessen, in denen bei spekulativeren Anlageformen viel Geld vernichtet wurde und der Ruf nach langfristig sicheren Anlagen laut wurde.

Jeder soll über das eingegangene Risiko selbst entscheiden können. Dazu ist es aber auch notwendig, die Risiken der einzelnen Veranlagungsformen zu kennen, was leider in der Praxis nicht immer der Fall ist.
Wichtig ist in dem Zusammenhang jedenfalls, auf eine optimierte Kostenstruktur zu achten, um die Rendite nicht zu sehr zu schmälern und auf Zusatzklauseln, die die Flexibilität des Vertrages in Zukunft erhöhen und unliebsame Überraschungen vermeiden helfen. Unsere Spezialtarife bei den großen österreichischen Versicherungen sind exakt auf diese Vorgaben abgestimmt.

Das „Problem“ der Langlebigkeit und die Garantie der bei Abschluss gültigen Sterbetafeln

Die durchschnittliche Lebenserwartung der Österreicher ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen. Diese eigentlich sehr erfreuliche Tatsache bringt jedoch nicht nur die bekannten Probleme für die gesetzliche Pensionsversicherung mit sich, sondern kann auch für eine kapitalgedeckte private oder betriebliche Vorsorge ein nicht zu unterschätzendes Problem darstellen.
Das Ziel jeder Pensionsvorsorge muss eine lebenslange finanzielle Absicherung sein, egal ob man 70, 80, 90 oder 100 Jahre alt wird. Und genau hier scheitert bereits jede finanzmathematische Kalkulation.
Hat man bei Pensionsantritt einen bestimmten Kapitalbetrag auf dem Konto, lässt sich einfach berechnen, wie viel man sich davon Monat für Monat als Zusatzpension auszahlen lassen kann, wenn man angibt, wie lange man die Pension beziehen möchte. Dies ist jedoch in unserem Fall nicht möglich, weil glücklicherweise niemand im Vorhinein den Zeitpunkt seines Todes kennt.
Jetzt könnte man bei der Statistik Austria (ehem. Statistisches Zentralamt) seine statistische Lebens¬erwartung erfragen und die Berechnung darauf abstimmen. Wäre diese Lebenserwartung in meiner¬ speziellen Situation 24 Jahre, so könnte ich mir anhand meines Kapitals am Konto berechnen lassen, wie viel Rente ich damit für die nächsten 24 Jahre bekomme, natürlich abhängig von der Verzinsung des Kapitals.
Diese Vorgangsweise sichert mir für die nächsten 24 Jahre meine gewünschte Pension. Ein Problem bekomme ich aber, wenn ich länger lebe als diese 24 kalkulierten Jahre. Dann ist mein Kapital nämlich aufgebraucht und meine Zusatzpension gänzlich weggefallen.
Dabei sollte man auch bedenken, dass man bei dieser Kalkulation nicht von der heutigen Lebens¬erwartung ausgehen darf, sondern von jener Lebenserwartung die bei Antritt der Pension vorherrschen wird. Natürlich weiß heute niemand genau, wie die Lebenserwartung in 20 oder 30 Jahren exakt aussehen wird. Entwickelt sie sich aber im selben Tempo weiter wie in den letzten 10 Jahren, so kann man davon ausgehen, dass unsere Lebenserwartung jedes Jahr um 3 Monate steigt. In 20 Jahren wäre sie dann bereits um 5 Jahre höher als heute.

Eine lebenslange Zusatzpension lässt sich somit nur mit einer Rentenversicherung mit lebenslanger Rentenzahlungsdauer erreichen. Zur Kalkulation einer lebenslangen Rente verwenden Versicherungen so genannte Sterbetafeln, man arbeitet also mit durchschnittlichen Sterbewahrscheinlichkeiten für bestimmte Personengruppen.
Grundsätzlich und vereinfacht ausgedrückt ist eine Rentenversicherung so kalkuliert, dass das zu Beginn der Rentenzahlung vorhandene Kapital mit Erreichen der durchschnittlichen Lebenserwartung des Rentenbeziehers aufgebraucht ist. Stirbt man früher, profitiert die Versicherung, lebt man länger, gewinnt man selbst, wenn man eine rein mathematische Sichtweise unterstellt.
Eine Rentenversicherung könnte somit auch als eine „Wette” mit der Versicherung gesehen werden, dass man älter wird als die heutige statistische Lebenserwartung, vor allem aber als eine garantierte Absicherung des Lebensstandards bis ins hohe Alter hinein. Geht man davon aus, dass die Lebenserwartung durch den medizinischen Fortschritt, bessere Arbeitsbedingungen und eine gesündere Lebensführung in den nächsten Jahren weiter steigen wird, kann dies eine durchaus lohnende Wette darstellen.
Der große Vorteil der Rentenversicherung im Vergleich zu einer Ansparung mittels Kapitalversicherung, Wertpapieren oder sonstigen Vorsorgeformen liegt darin, dass die Rentenversicherung garantiert, dass die Umwandlung des Kapitals in eine Rente anhand der beim Abschluss der Versicherung gültigen Rechnungsgrundlagen erfolgt und nicht nach jenen, die bei Vertragsablauf Gültigkeit haben.
Dies ist vor allem deshalb wichtig, weil bei der Bestimmung der Rentenhöhe die statistische Lebenserwartung des Rentenbeziehers eine wesentliche Rolle spielt. Je länger eine Rente theoretisch bezahlt werden muss, desto mehr Kapital ist dafür notwendig. Oder umgekehrt wird die Rente für ein angespartes Kapital immer geringer, je höher die Lebenserwartung und somit die wahrscheinliche Dauer der Rentenzahlung ist.
Steigt die Lebenserwartung in Zukunft an, so wird man also in einigen Jahren schon wesentlich mehr Kapital für eine bestimmte Rentenhöhe benötigen als heute. Eine Garantie der Verwendung der heutigen Lebenserwartung bei der Berechnung der Rentenhöhe ist somit gleichzusetzen mit ¬einer Garantie einer höheren zukünftigen Rente.

Ein Beispiel aus der Vergangenheit

1998 und 2006 wurden jeweils neue Sterbetafeln eingeführt und durch die gestiegene Lebenserwartung kam es jeweils zu einer Erhöhung des Kapitalbedarfes um 12% für eine unveränderte Rentenhöhe bzw. eine entsprechende Rentenkürzung bei gleichem Kapital. Geht man von einer ähnlichen Entwicklung auch in Zukunft aus, so ergäbe sich folgendes Bild:
Will jemand heute mit 65 Jahren in Pension gehen und eine wertgesicherte lebenslange Zusatzpension von 1.000 Euro, 14x pa beziehen, so muss er dafür ein Kapital von rund 280.000 Euro*) auf der Seite haben.
*) Orientierungswert: abhängig von Höhe der Wertsicherung, der angenommenen Verzinsung, etc.

Will eine heute 40jährige Person ab 65 ebenfalls eine Pension von 1.000 Euro (14x pa) beziehen und steigt die Lebenserwartung weiter an, so braucht diese wesentlich mehr Kapital für dieselbe Pensionshöhe.
Bei einer zwischenzeitlichen Anpassung der Sterbetafeln im Ausmaß der Änderungen von 1998 oder 2006 benötigt man schon ein Kapital von rund 312.000 Euro, bei zwei Anpassungen rund 348.000 Euro und bei 3 Anpassungen sogar 388.000 Euro, dh ein Mehrbedarf von über 100.000 Euro.
Während man mit einer Rentenversicherung durch die Garantie der bei Abschluss gültigen Sterbetafeln nach wie vor mit 280.000 Euro die 1.000 Euro Pension bekommen würde, benötigt man mit einer Ansparung mittels Wertpapieren oder einer Kapitalversicherung bereits deutlich mehr Kapital. Die Rendite der Wertpapiere müsste somit im konkreten Beispiel bei einer Anpassung der Sterbetafeln um über 30% höher sein als bei der Rentenversicherung, bei 3 Anpassungen sogar um fast 100% höher. Vor allem bei einem Abschluss in jungen Jahren kann die Garantie der Sterbetafeln somit ein wesentlicher Faktor sein. Die Frage ist, um wieviel mehr Risiko man bereit ist einzugehen und wie sich die Lebenserwartung in Zukunft entwickelt.
Auch hier ist wichtig, die Rentenversicherung mit entsprechenden Zusatzklauseln auszustatten, damit nicht nur die Langlebigkeit abgesichert ist, sondern auch bei einem frühen Ableben das Geld nicht verloren geht.

Wer also vorhat, eine Pensionszusage mittels einer Rentenversicherung abzusichern, die Verpflichtungen aus einer direkten Leistungszusage an eine betriebliche Kollektivversicherung auszulagern oder auch im privaten Bereich eine Rentenversicherung abzuschließen, sollte dies heuer noch tun. Bei der Optimierung der Kosten, der Verhandlung von Zusatzklauseln und der lückenlosen Anpassung an die Pensionszusage sind wir gerne behilflich.